Hochlicht – Löffelspitze bei winterlichen Verhältnissen

Unsere Pläne waren ja wieder mal recht ambitioniert. Flaig schreibt für die Überschreitung von Hochlicht bis Braunarlspitze von der Göppinger Hütte und zurück von 7-9 Stunden für „eine schnelle Zweierseilschaft“. Rückblickend scheint es da doch etwas verwegen vom Tal zu starten und dafür gleich mal die Fortsetzung der Tour bis zur Butzenspitze anzudenken. Nun, es kam eh alles anders.

start im dunkeln

kurze Tage bedingen einen Start in der Dunkelheit

Beim Start war noch alles bestens, wenn auch kalt. Wenn man aber lange Touren auf den 6. Oktober ansetzt, bleibt ein Start in der Dunkelheit unvermeidlich. Wir parkten in Zug, gehen an der Mautstelle vorbei taleinwärts und zweigten beim Markbach schon mal in den Wald ab. Das ersparte uns jetzt nicht all zu viel, etwas über dem Klöstner Älpele stießen wir dann bereits auf den Weg zur Göppinger Hütte. Mittlerweile dämmerte es, ein paar Hirsche röhrten noch, sehr idyllisch das alles. Am Hochlicht – unserm ersten Ziel für heute – schien schon die Sonne und es schaute recht einladend aus. Nach zwei Stunden waren wir bei der Göppinger Hütte angelangt, das Wetter war recht gut, die Temperaturen allerdings etwas bissig. Pause, Trinken, Essen. Nach kurzer Suche fanden wir auch den Weg auf das Hochlicht und ersteigen dieses über die Westflanke. Ein paar Schneereste ließen uns schon erahnen, dass die Unternehmung recht interessant werden könnte.

Morgensonne am Hochlicht

Morgensonne am Hochlicht

am Grat nach Hochlicht

gleich nach den ersten paar Metern der erste Schnee

Auf dem Hochlicht hat sich an den Temperaturen nicht viel geändert, wir legen die Klettergurte an und nehmen gleich den Grat in Angriff. Der ist recht zerrissen wie wir gleich erkennen können und auch denkbar exponiert. Gleich am ersten Gratstück müssen wir leicht auf die Nordseite – Schnee. Wir seilen uns an. Erst mal geht es gut weiter, bis der nächste längere Abstieg folgt. Die Südseite ist jetzt extrem steil, was uns immer wieder in den Schnee drängt. Der ganze Schnee auf den Felsen macht das Gelände nicht unbedingt einfacher. In die nächste Scharte hinunter geht es recht steil und plattig, zudem schneebedeckt, nach einigem herumprobieren seilen wir ab. Sonderlich schnell sind wir nicht, denke ich mir.

Der Verdacht bestätigt sich bald. Ein Stück weit läuft es recht gut, dann beschließen wir wieder über die verschneite Nordseite ein Stück abzuseilen. Das geht flott, wir ziehen am Seil – nichts. Zu zweit auch keine Chance, schließlich klettert Andi noch mal hoch. Etwas weiter unten ist ein kleinerer Felskopf, das sollte besser gehen, er probiert noch mal, sollte passen. Als er wieder unten ist – das selbe Spiel. Selbst zu zweit keine Chance das Seil abzuziehen. Also nochmal, diesmal krabble ich hoch. Noch ein Stück weiter unten verspricht eine rundere Felsschuppe weniger Probleme zu machen. Ich seile wieder ab – diesmal klappt es und wir können endlich weiter. Immerhin ist uns mittlerweile warm.

Mittlerweile haben sich die Wolken verzogen und wenn wir nicht grad auf der Nordseite herumkrabbeln erwischen wir ein paar wohltuende Sonnenstrahlen. Andi geht ein Stück voraus, nochmal kurz abseilen (diesmal ohne weitere Zwischenfälle) und wir erreichen den letzten Aufschwung vor der Löffelspitze. Der Grat schaut zwar recht trocken und schneefrei aus, ist aber recht steil. Da wir den Weiterweg nicht einsehen können und vermuten dass wir da wieder Schnee haben, beschließen wir den ersten Aufschwung zu umgehen. Abseilen über die verschneiten Platten, zweimal 30 Meter, bald sind wir vorbei am Turm und stehen in der Rinne zur nächsten Gratscharte.

abseilen im Schnee

Abseilen im Schnee vor dem letzten Gratturm

Links sehen wir allerdings auch den weiteren Gratverlauf und liebäugeln mit einer Abkürzung. Das Höhenlinienorakel bringt uns aber nicht wirklich Gewissheit dass das gut gehen wird und so beschließen wir auf der geplanten Route zu bleiben und steigen zur Löffelspitze auf – zum Glück, später von oben wird klar dass die Querung kaum funktioniert hätte. Die letzten Meter zur Löffelspitze sind recht nette Kletterei, sogar der Fels ist größtenteils fest. Nicht immer allerdings, ich stehe grad unter Andi als sich sein Tritt löst. Zum Glück kann ich ausweichen und auch er kriegt keine gröberen Schwierigkeiten dadurch. Das war eh die letzte schwere Stelle und so sind wir – endlich – auf der Löffelspitze. Wir essen und trinken noch mal was. Mittag ist mittlerweile schon länger vorbei und die Stunden der Kletterei waren doch nicht ganz ohne. Langsam werden wir eh schauen wie wir vom Grat runterkommen aber im Moment ist der Weg Richtung Orgelscharte eh die einzige Möglichkeit.

aufstieg durch schneerinne

in der Rinne zurück zum Grat – hier ist der Schnee recht hilfreich

kamin löffelspitze

nette Kaminkletterei kurz vor dem Gipfel der Löffelspitze

kaminkletterei

Der Kamin von oben

Der weitere Grat schaut auf den ersten Blick einfacher aus – die Ernüchterung folgt aber bald und nach 20 Metern kehre ich wieder um. Zurück auf den Westgrat schreibt Flaig – in Anbetracht der Verhältnisse werden wir wohl doch seiner Anregung folgen. Etwas weiter unten lässt sich die Stelle umgehen, rauf auf den nächsten kleinen Turm und das selbe Spiel von vorne. Der Fels ist hier eher abschüssig geschichtet, mit Schnee drauf macht das keinen Spaß. Links gehts ziemlich weit runter also müssen wir wohl eine Umgehung auf der Ostseite versuchen. Da hat’s eh ein Band, Brüchigkeit, Abschüssigkeit und nicht zuletzt unsere doch allmählich zunehmende Müdigkeit lassen das allerdings recht spannend werden. Mit ein paar Zackenschlingen und Friends zur Beruhigung der Nerven geht es dann zwar langsam, aber doch recht unproblematisch.

Jetzt endlich geht es recht zügig weiter auf dem Grat, einmal verlaufen wir uns noch ein Stück und immer wieder bremst uns der Schnee, aber wir kommen gut voran. Schließlich scheint eine Flanke ins Schneetobel zu führen. Mittlerweile ist es fast 16 Uhr und wir sind uns einig, dass für diesmal genug ist, schließlich wollen wir noch bei Tageslicht halbwegs gute Wege erreichen. Ein bißchen zu Essen haben wir noch, so viel Zeit muss noch sein.

Der Abstieg geht recht gut, der Schnee ist in dem Gelände eh mehr Hilfe als Hindernis. Schließlich noch eine kurze Abfahrt im Schotter und ein gemütliches Hinausstolpern durchs Schneetobel – bald erreichen wir den Theodor-Praßler-Weg. Wir gehen zurück zur Göppinger Hütte. Ein Stück müssen wir noch aufsteigen, was uns nicht so recht passt, aber unseren Versuch eine Abkürzung zu machen müssen wir nach ein paar 100 Metern zähneknirschend aufgeben. Die Wegemacher hatten schon ihre Gründe, ein paar unangenehme Rinnen ziehen Richtung Zuger Tobel hinunter.

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nächstes Mal dann

Kurz vor der Göppinger Hütte sehen wir noch die letzten Sonnenstrahlen – auch die Hirsche melden sich bereits wieder. Mit etwas müden Beinen fragen wir uns wiederholt, ob das beim Aufstieg wirklich auch so weit war. Beim oberen Älpele ist es schon fast dunkel, aber der Weg ist hier breit genug dass uns das nicht mehr weiter stört. Nach 13 Stunden sind wir wieder beim Auto – der Tag war gut genützt.

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