Gunten – oder doch nicht

Sodann, ich hatte einen neuen Schuh und der wollte ausprobiert werden. Der erste Vorschlag (Rätikon) war mir doch etwas zu ambitioniert und so steuerten wir nach einigem hin und her den Guntenkopf über das Mellental an. So war der Plan. Mit etwas Verspätung holten Andi und ich Schnatte ab, wir parkten in der Nähe des Steinbruchs und machten uns auf den Weg.

Irgendwann mussten wir über den Bach, so viel war klar… – die zweite Brücke nehmen wir. Umgehend stellen wir fest: wir sind zu früh dran. Im Wald führt aber offensichtlich ein Weg dem Bach entlang, also gehn wir weiter. Leider stoßen wir bald auf einen Zaun – hier gibt es eine abgezäunte Wildfütterung. Wir weichen ins Bachbett aus und trotz ein wenig widriger Vegetation kommen wir gut dran vorbei. Jetzt sollte es aber passen – wir steigen bei den Hütten auf, finden bald eine Spur und folgen dieser. Als diese einem Weg in den Wald folgt, sind wir guter Dinge. Wenig später grundsätzlich auch noch – die Steilheit des Geländes lässt aber langsam Zweifel an der Wegwahl aufkommen. Es wird recht reizvoll – vermurtes Gelände, da ein Baum, dort ein Graben und alles miteinander deutlich steiler als wir uns das grundsätzlich gedacht hätten. Ausgefeilte Spitzkehrentechnik ist jedenfalls von Vorteil, nach ein paar interessanten technischen Manövern erreichen wir eine Hütte – von hier gibt es wieder eine Straße, immerhin.

Entlang der Straße kommen wir dann schließlich doch auf die Waldalpe – das wär auch einfacher gegangen, aber der Erlebnisfaktor war eh nicht schlecht. Schnatte folgt dem Weg nach links – Andi und ich wählen die direkte Variante nach oben. Es geht nur kurz durch den Wald, dann wieder über offene Wiesen bis wir wieder den Weg erreichen. Diesem folgend geht es quer hinüber zur Köbelealpe, die wir links liegen lassen. Schnatte ruft mir zu ich solle warten – er hat sich ziemlich verausgabt und kehrt um. Mir geht eigentlich nicht viel anders. Allerdings ist Andreas schon recht weit vorne und so weit kann es ja nicht mehr sein. Ich lasse Andi also ziehen und steige gemütlich weiter. Ich stelle gleich mal zwei Sachen fest:

  1. es ist doch noch ein ganzes Stück
  2. mir geht langsam der Saft aus

Bei der Spezialprüfung im steilen Wald hatte ich mich doch auch ordentlich verheizt. Im Gipfelhang trete ich die Flucht nach vorne an und wähle mit höchster Steighilfe die direkte Linie. Naja, irgendwann bin ich auch oben, Andi ist zum Glück recht geduldig. Außerdem sind wir nicht auf dem „richtigen“ Guntenkopf, sondern beim Firstkreuz, aber das macht nichts. Für die zunächst angedachte Kombination mit der Hangspitze fehlt mir mittlerweile eh Kraft und Motivation, also fahren wir ab.

Der obere Teil der Abfahrt ist eher ruppig – die von Wasser geformte und hart gefrorene Schneeoberfläche schüttelt uns ordentlich durch. Dafür ist eiter unten im Bereich der Waldalpe dann richtig schöner Firn. Der untere Teil durch den Wald ist wie meistens ein rechter Schmarren, danach folgt noch die Schiebestrecke durch’s Mellental… – in Bezug auf die lohnende Abfahrt ist die Tour nur bedingt zu empfehlen. Dafür hatten wir unsere Ruhe und landschaftlich ist die erstaunliche Unwegsamkeit des Mellentals immer ein Erlebnis.

Ahja, der Schuh ist super, erstaunliche Beweglichkeit und richtig steif für die Abfahrt. Etwas schmerzhaft war die Aktion zwar, aber ohne angepassten Innenschuh war das fast zu erwarten.

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