Erkundungstour Bezegg Zannabach

Der erste Jänner ist immer wieder ein guter Zeitpunkt, mit was kreativem zu beginnen. Da Harry am nächsten Tag eh wieder das Ländle verlassen würde und wir gegen Abend beide noch motiviert waren, befanden wir es für am sinnvollsten, Steigeisen und Pickel zu aktivieren und beim Andelsbucher Fußballplatz zu starten. Entgegen meiner ursprünglichen Ansicht ist das dann zwar nicht mehr der Brühlbach (der unweit davon aus der Brühlbach-Grotte ans Tageslicht tritt), sondern der Bezeggbach bzw. (Vogt, Vorarlberg-Atlas) Zannabach. Das war uns aber noch nicht bewusst und hatte somit auch nur wenig Einfluss auf unser Vorhaben.

Kurz nach neun stapften wir also über den Parkplatz beim Fußballplatz und folgten dem Rauschen zum untersten Wasserfall. Als wir dort ankamen, dämmerte uns so langsam dass das doch recht laute Rauschen wohl nicht das beste Omen in Bezug auf die Eissituation war. Wir aktivierten dennoch erst mal unsere Stirnlampen und wühlten uns zum Bach. Leichte Eisausbildungen waren vorhanden, von einem Eisfall konnte allerdings keine Rede sein, eher eine Umrahmung des fließenden Wassers. Schnee gab’s dafür ne Menge, ganz unten bot sich rechts des Baches (im Aufstiegssinne) auch ein alter Baumstamm als Einstieg an. So schnallten wir im feinstem Pulver unsere Steigeisen an und der Spaß konnte beginnen.

Erste Steilstufe hinterm Fußballplatz

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Sollte die mal zufrieren, ist es sicher ein lohnender kleiner Eisfall. Wir überwinden den ersten Felsriegel unter Zuhilfenahme des bereits erwähnten Baumstammes, danach ist dann Schneegewühle und Dry(oder eher Wet)-Tooling angesagt. Um der Linie möglichst treu zu bleiben halten wir uns nah am Wasser. Durch eine Rinne rechts davon kommen wir weiter (zum Glück finden sich nach Abräumen der Schneedecke immer wieder einigermaßen verankerte Holzstücke unterschiedlicher Konsistenz) – es zeichnet sich schon mal ab, dass zumindest der Spaß-Faktor stimmt. Nach einer Bachquerung im Aufstieg (wieder klassisches Wet-Tooling, die paar Eisgebilde verabschiedeten sich gleich mal talwärts) ist die erste Steilstufe überwunden und folgten dem Bach.

Anfangs noch sehr liniengetreu wandern wir dem Bachlauf entlang, immer wieder mal von einer reizvollen Umtänzelung eines der tieferen Gunten unterbrochen. Spaßig, aber zeitaufwändig, also queren wir bei einer kleinen Brücke zum Weg und folgen diesem ein Stück. Bald zweigt der Bach nach links ab und wir folgen ihm wieder – auf der Wiese daneben durch knietiefen Pulverschnee. Bald erreichen wir die nächste Steilstufe – schaut wieder recht feucht aus.

Zweite Steilstufe

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Auch die zweite Steilstufe präsentiert sich von der eher feuchten Seite. Die Linie direkt am Wasser scheidet offenbar aus, zumal ein Ausrutscher erst zu einem Aufprall auf dem Vorbau und in weiterer Folge zur Landung im knietiefen Wasser führen würde. Rechts durch den Wald würde sich eine Rinne anbieten – links zieht sich der wasserüberströmte Felsriegel weiter, darunter liegt ne Menge Schnee. Also ähnlicher der „Originallinie“ und auf den ersten Blick auch Risiko-technisch besser. Wir queren also den Bach, ein alter Baum bringt und auf den „Vorbau“. Nach kurzem Gewühle stehe ich am Felsriegel und kratze mit mäßigem Erfolg im Schnee darüber herum. Die Steilstelle ist nur etwa mannshoch, also hooke ich mal beherzt im Nichts und steige höher. Zing-Zing-Puff… – erst bricht mein linkes Eisgerät aus, dann mein rechtes, etwas verdutzt finde ich mich etwa 3 Meter tiefer wieder. Es liegt ne Menge Schnee, das klappt also recht gut. Also gleich noch mal, etwas näher am Wasser. Hier ist’s zwar ein wenig steiler, die Pickel finden aber mehr halt. Weiter rechts ist das Schneepolster aus, also hier noch mal probieren, oder die Stelle umgehen. Ein paar beherzte Züge und einiges an Ausgrabungsarbeit später stehe ich wieder im flacheren Gelände. Harry steht bald neben mir, es geht weiter.

Diesmal gehen wir gleich auf die Straße und folgen ihr, bis sich der Bach wieder vertieft. Dort steigen wir dann wieder in den Graben – wir wollen ja nichts versäumen. Bald stehen wir wieder vor einem tieferen Tümpel, am rechten (nahezu senkrechten) Ufer arbeiten wir uns daran vorbei. Eine recht reizvolle Querung, da unter dem gewohnten Gewühle eine Menge Tannenäste gelagert sind. Geht aber besser als es zuerst den Eindruck macht. Danach kommt noch eine kurze Stufe – diesmal klettern wir gleich im Wasser. Das geht gut, da die Stufe eh nur etwa 2 Meter hoch und leicht geneigt ist, fördert aber die Stollenbildung an unseren Steigeisen merklich. Langsam wird die Schneestapferei somit etwas mühsam und wir folgen dem Bach im Talgrund, bis wir schließlich zur dritten Steilstufe gelangen.

Dritte Steilstufe

Die dritte Steilstufe zeichnet sich in der Dunkelheit gleich mal als recht bedrohlich ab. Das Wasser stürzt über einen kleinen Überhang, von Eis kann keine Rede sein. Etwas rechts der Hauptwasserführung bildet sich eine kleine Eisstruktur – schaut nach einer reizvollen Mixed-Kletterei aus. Für einen ungesicherten Versuch ist das Eis aber noch zu wenig und die Stufe zu hoch, Seil haben wir keines dabei. Wird also notiert für eisigere Zeiten. Wir queren den Bach wieder nach links und bewegen uns unterm Felsriegel vom Wasser weg. Nach ein paar Metern ist auf halber höhe des Felsriegels ein kleiner Baumstumpf sichtbar. Ermutigt durch die bisherigen positiven Erfahrungen mit Holz verschiedenster Konsistenz (Eis war ja kaum da und auch die Moospolster unterm Schnee eher saftig als gefroren) versuche ich mich noch mal. Es wird zwar etwas mühsam schwieriger als gedacht, aber nach ein paar Minuten habe ich auch das hinter mir. Harry schaut etwas erstaunt als er mich plötzlich von oben hört, lässt sich aber natürlich auch dieses letzte Schmankerln nicht entgehen.

Vierte Steilstufe

Wieder auf dem Weg folgen wir der Straße bis wir zur vierten Steilstufe kommen. Auch hier wieder das gewohnte Bild – Wasser, kein Eis. Die Stufe ist wieder etwas höher, aber auch geneigter als die dritte. Mit Eis sicher eine nette Sache. Da auch kein Schnee liegt, zieht es uns nicht noch einmal zurück in den Graben. Diesen Teil schenken wir uns also und beenden unsere Erkundungsexpedition.

Übersicht

Übersicht mit eingezeichneten Steilstufen

 

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