Wasserkluppe – ein Stück weit

Nach einigem hin und her konnte ich mich am Dienstag, den 17. Juni doch endlich loseisen und machte mich – per Autostopp – auf den Weg Richtung Landsteg. Das lief so weit echt gut, zuerst nach Bezau, dann nach Mellau und schließlich – wieder nach nur wenigen Minuten – weiter bis Schoppernau. Dort wurde das Angebot etwas spärlicher, was aber nicht tragisch war – laut Busfahrplan kam 20 Minuten später eh schon der nächste Bus taleinwärts. Und nicht mal den brauche ich, kurz davor fragt mich ein neben mir Parkender, wohin ich denn wolle und nimmt mich mit bis zum Landsteg.

So weit so gut, ich schultere den Rucksack und mache mich auf den Weg. Bei der ersten Kehre nehme ich den Fußweg zur Schiedlenalpe – ich möchte gern auf die Wasserkluppe und das am liebsten von Norden. Die erste Rinne hat schon von der Straße aus einen eher abweisenden Eindruck gemacht und auch direkt darunter ändert sich das nicht. Steil und halb oben ein Dach, dass nur mit ernsthafter Kletterei zu umgehen sein dürfte. Jedenfalls nichts, was ich allein und ungesichert versuchen möchte. Also weiter auf dem Weg – in der nächsten Rinne schaut’s besser aus. Oder um genau zu sein, ist die Rinne vom Weg aus nicht einzusehen, also ist zumindest im Moment nichts zu erkennen, was mich gleich abschreckt. Bis zum Beginn der Rinne schaut der Graben recht gangbar aus, ein paar größere Blöcke zwar, aber es geht gut. Ab und zu erinnere ich mich an meinen kleinen Unfall am Patteriol vor einigen Jahren – das war recht ähnliches Terrain. Ich klettere möglichst vorsichtig, diesmal gerät nichts in Bewegung und ich komme gut voran.

Bald bin ich am Beginn der eigentlichen Rinne und zwei Sachen sind schon mal klar:
1. links rauf, wo ich eigentlich wollte, wartet senkrechtes Gras und weiter oben ein überhängender Kamin. Es scheint zwar möglich zu sein, diesen rechts zu umgehen. Wenn ich bereit bin einen ungesicherten Grasfünfer mit ungewissem Weiterweg und fraglicher Rückzugsmöglichkeit zu wählen. Also nein.
2. nach rechts schaut es besser aus. Oben zwar auch eine Steilstufe, aber strukturierter. Dort scheint auch abermals ein Weg nach links möglich zu sein. Und bis zur Steilstufe schaut es auch jetzt noch problemlos – wenn auch etwas brüchig und schotterig – aus.

Also nach rechts. Bald bin ich bei der Steilstufe, nach links sehe ich sehr steiles Gras, schon um die nächste Ecke gefällt’s mir nicht und weiter hinauf schaut es zumindest fragwürdig aus. Nach rechts zieht auch eine Rinne zum nächsten Grat, aber erst mal möchte ich mir noch den schönen Fels geradeaus anschauen. Nach einer kurzen Querung klettere ich eine Recht schöne Rippe hinauf, bis ich direkt an der Steilstufe stehe. Eine Rinne zieht hinauf – schaut nicht schwer aus, aber etwa 10 Meter weiter oben ist ein Wulst. Vermutlich kletterbar, aber nur rauf, und was oben kommt ist schwer zu sagen. Mittlerweile hat es auch noch angefangen zu regnen – das geht nicht, beschließe ich und orientiere mich wieder nach unten. Die Rinne rechts hinauf möchte ich mir noch anschauen, sonst steig ich halt wieder ab. Ich stelle gleich mal fest dass zurückklettern jetzt schon nicht ganz unproblematisch ist. Nachdem ich ein paar nicht druckreife Adjektive bezüglich meines Urteilsvermögens verdrängt habe sehe ich aber dass das Gelände nur 3 Meter rechts von mir eine Rinne bietet, die einen einfachen Abstieg ermöglicht. Drunter bricht die Wand aber ein paar Meter ab, also all zu viel Unsinn ist auch jetzt nicht angebracht. Konzentriert steige ich ab und bin bald wieder unter der Steilstufe.

Noch mal nach rechts also – bald bin ich am Grat. Vorbei unter einem beeindruckend glatten Überhang sehe ich einen deutlichen Wildwechsel, der um die Ecke führt. Kurz zögere ich und denke an die Sage vom Kaiser Max, beschließe aber dennoch der Spur zu folgen. Bald sehe ich den Wanderweg wieder – ziemlich direkt unter mir. Ich klettere über einen Felsblock hoch und stehe vor einer recht exponierten Querung – steiler Grashang kurz über Felsabbruch. Zu allem Übel ist der Bewuchs auch noch recht miserabel und so bewege ich mich einigermaßen verkrampft über die paar Meter. Danach wird es zum Glück deutlich besser, weil etwas flacher und mit starken Grasbüscheln bewachsen. Bald erreiche ich auch eine Rinne, die von Gras bewachsen bis ins Tal hinunter führt. Hatte ich bislang noch Ambitionen, über eine von der Straße aus ausgemachte Rampe doch noch auf die Wasserkluppe zu gelangen, schminke ich mir das jetzt witterungsbedingt ab – es regnet mittlerweile in Strömen. Ich steige zuerst durch das steile Gras, dann im Wald ab, bis ich endlich den Weg wieder erreiche. Kurz danach bin ich wieder auf der Straße Richtung Biberacher Hütte.

Der Ausflug hat mich etwa 2,5 Stunden gekostet – mithin wird es recht spät, bis ich die Hütte dann auf dem Fahrweg erreiche. Ich niste mich im Winterraum ein. Ein kurzes Abendessen noch und dann ab ins Bett – ich bin ziemlich müde und dem entsprechend kalt ist mir. Da ich aber allein im Lager bin, habe ich fast beliebig viele Decken zur Auswahl.

Am nächsten Morgen bin ich erst mal überrascht wie spät es ist. Gegen halb 2 war ich noch kurz wach, mittlerweile ist sieben Uhr vorbei. Ich frühstücke kurz und mache mich dann auf den Weg Richtung Künzel. Zuerst bin ich noch motiviert und gönne mir eine kleine Variante mit etwas Wasserrillen-Kletterei – ich bin aber ziemlich fertig vom Vorabend und wohl auch noch nicht ganz gesund. Die Künzel lass ich daher rechts liegen und mach mich gleich auf den Weg Richtung Schalzbach. War auch so ganz nett und der 13-Uhr-Bus nimmt mich mit zurück nach Hause.

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