Anregende Graskletterei in urtümlicher Landschaft

So ähnlich hätte es wohl bei Altmeister Flaig geheißen. Nicht direkt also das was die meisten suchen. Aber um meinen Hausberg noch etwas genauer kennen zu lernen war ich durchaus bereit da etwas flexibler zu denken. Und um ebendort, wo sich an schönen Tagen wahre Hunderschaften von Wanderern auf dem Panorama-Rundweg tummeln noch alleine unterwegs zu sein und das in wirklich unberührter Landschaft schon zweimal.
Ziel sollte die von Andelsbuch aus nicht zu sehende Nordseite der Niedere, die Finne-Fluh, sein. Auf dem Luftbild war zumindest eine durchgehende Wasserrinne zu sehen, die ich mir für die oberen zwei Drittel mal merkte. Durch die Steilstufe unten würde ich vor Ort einen Weg finden müssen, aber so schlimm schaute es eigentlich eh nicht aus. Aber erst mal musste ich hin.
Die beste Art der Anreise ist die mit dem wenigsten Höhenmetern befand ich und das Fehlen befestigter und markierter Wege war mir durchaus recht. Ich nutzte also die untere Sektion der Bergbahnen Andelsbuch und von der Alpe Gerach ging es danach immer mehr oder weniger horizontal der Alpe Finne zu. Das Vieh auf der Alpe hatte eh so einige Pfade ausgetreten, sodass das recht flott vonstatten ging. Im dichteren Wald hieß es sich etwas ducken, bis auf Rinderrückenhöhe in etwa. Nach kurzer Zeit stieß ich dann auf den Zaun Richtung Schwikatsgerach und kurz darauf auf den Fahrweg zu ebenjener Alpe. In der nächsten Kurve verließ ich den wieder und schlug mich wieder durch den Wald. Diesmal ohne Viehpfade, dafür hat’s ein paar umgefallene Bäume und eine Menge Pilze – alles was ein Wald so braucht. Gleich darauf bin ich wieder auf einem Fahrweg, dem ich bis kurz vor die Finne-Alpen folge. Als sich der Blick in den Finne-Talkessel öffnet wende ich mich rechts der Finne-Fluh zu. Auf dem Weg hinüber habe ich reichlich Zeit den besten Aufstieg zu studieren. Die Rinne ganz links aus dem Luftbild scheint oben ideal zu sein, im unteren Steilaufschwung allerdings schaut es allerdings weniger gut aus. Dafür scheint das Gelände bis zur kleinen Höhle rechts davon unproblematisch aus. Von da entweder rechts hoch oder aber links in besagte Rinne queren. Wohl eher links denke ich, aber das wird sich dann aus der Nähe zeigen.
Erst mal muss ich durch einiges an Gestrüpp, Brennesseln und dreckige Lawinenablagerungsreste durch, dann steilt es sich etwas auf und ich bin bei der Höhle. Überraschend zeigt sich nach rechts doch noch eine Rinne. Ein Blick nach links zeigt mir dass es da hinüber auch recht steil ist, also gebe ich ihr eine Chance. Die Rinne ist bald zu Ende und mündet in einen unten steil abfallenden Graben. Da muss ich rüber wenn ich rauf will, ober mir ist ein kleiner grasiger Überhang, das geht schon mal nicht. Die Rinne ist zwar etwas nass und schotterig, aber ein paar hervorstehende kleine Felsstufen und saftige Grasbüschel bringen mich sicher rüber. Kein Problem bis auf ein paar schlechte Nerven. Wie erwartet legt sich das Gelände bald etwas zurück, im steilen Gras komme ich rasch höher und quere dann allmählich zur ursprünglich geplanten Rinne zurück. Ein paar Gemsen haben mich entdeckt – sie sind nicht sehr erbaut, all zu weit entfernen sie sich aber doch nicht. Es ist wohl offensichtlich, dass ich in dem Gelände keine wirkliche Gefahr darstelle. Die Rinne ist wirklich nett, unschwierig und kaum nass und so klettere ich genüßlich höher. Kurz unterm Grat ist die Rinne dann doch zu Ende, noch ein paar Meter und ich gelange auf den Niedere-Panoramarundweg.
Mittlerweile war es nach 17 Uhr sodass ich in den seltenen Genuss kam an einem sonnigen Tag allein auf der Niedere zu sein. Sogar ein paar Birkhühner flatterten noch davon während ich gemütlich Richtung Vordere Niedere wanderte. Den Abstieg nach Andelsbuch muss ich gar nicht machen – Leo fährt grad ins Tal und nimmt mich mit.
Ungewohnte Perspektive
Blick zurück nach unten
Links geht’s „zum Sprung“

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