Toblermann, Hörnle, Ruchwannenspitze

Wenn der Wetterbericht über 30 Grad prognostiziert, ist früh aufstehen sicher keine schlecht Idee. Diesmal bin ich wieder etwas schlauer: Sonnencreme, Sonnenbrille, Kopfbedeckung – Sonnenbrand und Kopfweh will ich mir dieses Mal ersparen.
Ein kurzes Frühstück, die Sachen zusammensuchen, so langsam komme ich ja doch in die Gänge. Kurz vor 5 schwinge ich mich auf’s Rennrad und im Morgengrauen geht es Richtung Hinterwald. So recht wach scheine ich noch nicht zu sein – immerhin ist es noch einigermaßen kühl, ich trete also in die Pedale und nach etwa anderthalb Stunden parke ich meinen Karbon-Esel hinterm Kraftwerk nach Schoppernau.
Schattenparker
Radschuhe und -hose sowie Helm bleiben hier – unnötiger Ballast war noch nie so mein Ding. Ein paar Schlucke trinken und ein Riegel, dann mache ich mich auf den Weg Richtung Gräsalpe und stelle gleich mal fest, dass ich das Tempo auf der Herfahrt wohl doch etwas hoch angesetzt hatte. Halb so tragisch, das Wetter ist großartig und ich hab eine Menge Zeit, also schalte ich erst mal von „möglichst zügig“ auf „gemütliche Wanderung“ um. Als ich auf der Gräsalp ankomme, geht die Sonne auf. Der Nachwuchs ist schon auf den Beinen, ein kleiner Bub kommt mir mit seinem Fahrrad entgegen, ein zweiter beäugt mich eher misstrauisch von der Hütte aus. Ich trinke noch ein wenig am Brunnen und fülle meine Wasserflasche. Später wird es mit dem Wasser nicht mehr so üppig sein, denke ich mir.

Wasserfall kurz nach dem Kraftwerk
Erster Blick Richtung Schöneberg und Ruchwannenkopf
Kurz vor der Gräsalp

Ich treffe jetzt niemanden mehr, fast nicht vorstellbar wenn man an den Winter hier denkt. Gemütlich wandere ich über die Hochalpe zum Toblermann. Die Sonne brennt zwar ordentlich herunter, aber es geht ein kühler Wind, so ist es recht angenehm. Auf dem Grat zum Toblermann – der schmale Weg in dem steilen Hang gefällt mir richtig gut, ich war im Sommer noch nie hier – begutachte ich schon mal den Grat zum Hörnle. Der Grat sieht zwar auch machbar aus, aber in der Nordflanke komm ich sicher besser rüber. Später stelle ich fest, dass der letzte Felskopf des Grates in einer senkrechten bis überhängenden Steilstufe (etwa 7 Meter) endet. Jetzt aber gehe ich erst mal noch das kurze Stück zum Toblermann hinauf und mache mal eine kurze Pause.

Auf dem Weg zur Hochalpe
Blumen auf der Hochalpe, im Hintergrund Zitterklapfen
Kurz vor dem Toblermann, rechts der Grat Richtung Hörnle
Auf dem Toblermann

Es ist wirklich schön hier, aber lange bleibe ich nicht, ich hab noch etwas vor und den Weg über das Hörnle kenne ich noch nicht. Ich steige zum Joch ab und quere nach rechts zu den Schneefeldern in der Flanke, den Felsausläufer quere ich ziemlich weit unten. Ich bemerke dann zwar dass es etwas weiter oben noch eine Möglichkeit gegeben hätte, aber die paar Höhenmeter sind mir jetzt auch egal und bald stehe ich im Schneefeld. Es ist angenehm kühl im Schatten und so beschließe ich diesem noch ein wenig treu zu bleiben und ignoriere die Trittspuren weiter rechts. Statt dessen stapfe ich durch Schneefelder hinauf unter den Grat und schwindle mich dann nach links bis zum Joch nach den Felsen. Ein kurzer Aufschwung noch, dann stehe ich am Grat.

Blick in die Flanke des Hörnle vom Felssporn aus
Wieder ein paar Blumen – links das kleine Joch vor dem Grat
Blick zurück zum Toblermann

Das geht wesentlich schneller als vermutet, auch der Weiterweg schaut gut aus. Ausgesprochen exponiert zwar, rechts steiles Gras, links 50 – 100 Meter senkrechte Wand, aber es ist gut zu gehen. Über’s Hörnle erreiche ich dann das Töbelejoch. Auf den Ruchwannenkopf ist es von hier nicht mehr weit, ein Riegel und eine Tomate sind noch übrig, die gibt es dann ebendort mit Blick ins Walsertal. Eine Menge Schnee liegt noch auf den Bergen rundum, ein gutes Zeichen für den Abstieg!

Der Grat zum Hörnle
Auf dem Hörnle
Blick zum Ruchwannenkopf
Auf dem Ruchwannenkopf, im Hintergrund Widderstein, Künzel, Schöneberg
Ich mache mich also wieder auf den Weg ins Tal und tatsächlich: in der oberen Flanke liegt Schnee, die Rinne vom Töbelejoch ist auch noch voll. Die Abfahrt gestaltet sich recht rasant, bis kurz vor dem Weg nach Schalzbach finde ich Schnee. Ein paar Meter gehe ich dann freiwillig zu Fuß, die Löcher am Ende einer Rinne sind mir etwas suspekt – zu recht, von unten sehe ich dass der unter dem Altschnee fließende Bach teilweise gut meterhohe Hohlräume hinterlassen hat.

Ruchwannenkopf – Töbelejoch
Blick zurück zum Töbelejoch
Da geht’s runter.
Blick zurück zum Töbelejoch
Töbelejoch mit Ruchwannenkopf

Jetzt bin ich jedenfalls wieder auf dem Fußweg zwischen Biberacher Hütte und Schalzbach, Wasser habe ich auch wieder und die Tour ist quasi zu Ende. Sollte man meinen. Etwas müde mittlerweile will ich mir die Schleife ersparen die die Straße macht und suche meinen Weg durch den Wald links davon. Das geht recht gut, schattig ist es auch, was begrüßenswert ist. Ich freue mich und lobe mich, was für eine gute Idee ich doch wieder hatte, als ich das Rauschen des Baches zu meiner linken höre – von ziemlich weit unten. Irgendwie kann ich mich trübe erinnern, dass ich in der Schlucht auch schon mal Eisklettern war. Einige der Wasserfälle sind auf meiner Seite… – allmählich dämmert mir, dass ein winterlicher Eisfall vermutlich nicht der ideale Abstiegsweg für den Sommer ist. Aber mal schauen. Glücklicherweise bin ich noch fit genug, eine senkrechte Schluchtwand zu erkennen, wenn ich sie sehe – über einen mittelmäßigen Wildwechsel quere ich mit etwas mulmigem Gefühl durch den steilen Wald darüber. Immerhin konnte ich durch die Schlucht nach vorne sehen wo ich hin muss, jetzt stoße ich wirklich auf einen alten Fußweg. Richtig nett angelegt geht es durch den steilen Wald – als er flacher wird, verliert sich der Weg wieder. Aber jetzt ist es kein Problem mehr, ein paar Minuten später stehe ich am Bach und genieße den feucht-kühlen Wind.

Noch ein Blick zurück, links der Ruchwannenkopf, rechts Toblermann
Der erste Teil des heutigen Weges, Hochalpe und Toblermann
Abwege im Abstieg
Wieder umgesattelt und bereit zur Heimfahrt

Mein Rad ist auch noch da, ich gönne mir noch ein kurzes Bad in der Ache (das kalte Wasser kann mir nur recht sein, derzeit würde ich auch in einen Kübel Eis hüpfen). Danach packe ich die Bergschuhe wieder auf den Rucksack, rauf auf’s Rad, es geht ja nur noch bergab. Aber warm geworden ist es, ich muss mich ganz schön plagen. Ich freue mich sogar durch den Tunnel zu fahren… – einmal geht’s noch bergauf, an der Sporenegg reicht’s mir dann wirklich, die paar Meter fahre ich noch in einem kleinen Gang, zum Glück ist’s vorbei. Zwei Rennradler begleiten mich noch bis Andelsbuch, nachdem ich ihnen eine kurze Orientierungshilfe gegeben habe, sie müssen noch weiter, nach Immenstadt, ich bin zum Glück fertig für heute.

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