Die Roggal und eine Lektion in Demut

Endlich wieder mal in die Berge… – die Roggal-Nordkante hatte ich zwar schon öfters besucht, aber so als quasi Wiedereinstieg ins Alpinklettern eh gerade recht – außerdem wollte Marcel ebenjene gehn. Also holt er mich um halb 7 ab und wir fahren nach Zug. Wir sind doch nur zu zweit, der dritte ist wohl in der Samstagnacht hängen geblieben. Ist mir eh recht.

In Zug beschließen wir dass unsere Kondition gut genug ist und wir gehen gleich von dort weg übers Stierloch zum Einstieg. Ein Traumtag, es ist kühl und wir kommen gut voran. Kurz vor dem Einstieg kommt noch ein Kalb freudig auf mich zu – es will Salz und leckt für den Anfang mal meinen ganzen Oberarm ab 😀 Nach 2 Stunden sind wir dann beim Einstieg. Flott, aber nicht flott genug. Vor uns steigen gerade zwei Seilschaften in die Nordkante ein. Wir essen erst mal was. Es ist eher frisch und die Sonne verzieht sich wieder um die Ecke. Ich war natürlich besonders schlau und friere ganz schön in meinen kurzen Hosen. An der Nordkante ist jetzt wenigstens die erste Seilschaft eingestiegen, aber nach kurzer Diskussion wechseln wir zum Baur-Einstieg in den Ostpfeiler. Der ist zwar ein Eck schwerer, aber dafür scheint da drüben die Sonne.

Wir schreiten zur Tat. Kletterschuhe, anseilen, die schweren Sachen in den Nachsteiger-Rucksack und dann woll’n wir mal. Ich krabble über die erste Kante und finde gleich mal einen Bohrhaken. Sehr schön. Als nächstes stelle ich fest dass ich wieder mal am falschen Ort eingestiegen bin. Was die ganzen Haken hier machen weiß ich nicht, aber ich nütze sie zur Querung und bin dann gleich mal auf dem richtigen Routenverlauf. Nicht all zu schwer, aber meine Pysche war auch schon mal besser. Immerhin kann ich einen Klemmkeil und einen Friend setzen – die sind auch bitter nötig. Das kann ja heiter werden. Da ich das Seil eh kaum mehr nachziehen kann lasse ich Marcel nachkommen. Der folgende Quergang läuft dann etwas besser, der Fels ist bombig, die Absicherung auch ganz passabel. So recht befreit klettere ich nicht, aber immerhin.

Marcel hält noch nicht all zu viel vom Vorsteigen, also mache ich mich an die Schlüsselseillänge. Ganz schön exponiert… – ich fummle einen Keil in einen Riss und dann geht’s schon. Vor der Schlüsselstelle hat’s noch einen kräftigen Hakenabstand, ich krampfe mich irgendwie hoch, aber dann ist Sense – ich hab einen „moralischen“. 2 oder 3 mal probiere ich’s noch, dann häng ich mich an die zwei Haken und lasse Marcel nachkommen. Restlos begeistert ist er nicht, aber er macht sich an die Arbeit. Die Stelle wehrt sich so ziemlich („bi mior ischt do denn amol fertig mit wilda hund“), aber irgendwann ist er drüber und macht Stand. Ich muss im Nachstieg auch ein wenig wurschteln, aber ok. Eigentlich eine Kletterstelle die mir liegen müsste denke ich mir droben – aber die Nerven spielen halt nicht mit dieses mal.

Rechts um die Ecke geht es einfach weiter, eine riesige hohle Schuppe kostet mich noch ein wenig Nerven, aber die Schwierigkeiten sind erst mal vorbei. Unsere Tour allerdings auch, beschließen wir, das ganze hat ganz schön Zeit gekostet. Wir queren zur ersten Schulter des Ostgrates und seilen ab. Das zumindest klappt recht gut – am Sattel unterm Einstieg sortieren wir unser Material und machen uns dann wieder auf den Weg zurück durch’s Stierloch. Ein schöner Tag in den Bergen war’s trotzdem, sind wir uns einig – und schlauer sind wir (hoffentlich) auch wieder geworden.

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