Urho Kekkosen Nationalpark oder 1 Ösi mit 5 Tschechen in der Wildnis

5 Tage, 5 Tschechen, 2 Stunden Zeit um Schlafsack und was man sonst noch so braucht aufzutreiben – das in etwa war die Ausgangssituation für den Ausflug in den Nationalpark Urho Kekkosen. Ok, Lucy hatte mich schon ein paar Tage vorher gefragt und außer dem Schlafsack brauchte ich auch nicht viel, aber etwas überrumpelt war ich dann doch als sie am Freitag meinten ich sollte mich langsam drum kümmern, da wir am nächsten Morgen aufbrechen. Wenigstens war die Anreise hervorragend geplant: mit dem Bus bis Santa Village, dann Autostopp in 2er-Teams. Ein offensichtlich genialer Plan, ideal für Finnland mit seinen langen Strecken und wenigen Orten, wo sonst werden die schon hinfahren – und sie werden uns doch wohl nicht in der Kälte stehen lassen.

Lucy (meine Autostopp-Gefährtin) war jedenfalls ausgesprochen zuversichtlich, ich ebenso. Und siehe da, bald nahm uns ein Auto mit, etwas abenteuerlich, sowohl der Fahrer gesetzteren Alters. Unsere Unterhaltung war lustig, aber leider nur kurz, da sich seine Deutschkenntnisse in etwa mit meinem Finnisch messen konnten, das sich zu dem Zeitpunkt auf geschätzte 40 Worte beschränkte. Immerhin konnte ich ihm erklären dass ich von Tampere mit dem Rad gefahren war und wir hier studieren und aus Österreich sind (ja, Lucy auch, sie war irgendwie nicht recht motiviert ihre tschechische Herkunft zu verteidigen). Und er verstand auch dass ich bis Tampere mit dem Flugzeug geflogen war (Vogelflutposition, Auto schert verdächtig auf die linke Fahrbahn aus) und meint zu Fuß sei schwierig, weil da sei Wasser, da hätte ich schwimmen müssen (Schwimmbewegung, diesmal eher Richtung Straßengraben, aber er unterbricht seine schauspielerische Darbietung dankenswerterweise für eine kurze Spurkorrektur – wir befinden uns jetzt wieder halb auf der Gegenfahrbahn. Nach 30 Kilometer ist der Spaß leider vorbei, er biegt ab nach Kemijärvi und wünscht uns Glück – wir ihm auch.

Vikajärvi zeichnet sich vor allem durch 3 Sachen aus:1. ein Schild auf dem „Saariselka 230 km“ steht – na immerhin
2. ein Café, das uns immer wieder Wärme spendete… – sowie Kaffee und schließlich ein Feuerzeug
3. ein Schild, dass nach Kemijärvi zeigt – und Autofahrer magisch anzieht, die meisten unserer Hoffnungsträger wollten wohl doch nicht sehr viel weiter nach Norden

Ach ja, und eine Busshaltestelle… – kurz und gut, unsere finnländischen Autostopperfahrungen beschränken sich auf diese 30 Kilometer, wir nehmen schließlich den Bus. In Sodankylä (ich stelle während des Schreibens grade fest dass das „Kriegsort“ bedeutet – vielleicht) stoßen Jiri (die richtige Schreibweise fällt leider der deutschen Tastatur zum Opfer) und die zweite Lucy zu uns. Martina und Sylvia haben es besser gemacht – 50km vor Saariselka erhalten wir eine SMS dass das Feuer im Kamin brennt. Nach einer kurzen Odysse haben wir die Hütte dann auch gefunden, es ist warm (solange das Feuer brennt), es gibt Feuerholz (wenn es jemand aus dem
Depot holt) und es schaut schon ganz gut aus (die beengten Platzverhältnisse sind schon ok, Kühe suchen ja auch Kontakt mit den anderen wenn es kalt wird). Ich versuche meinen ausgeliehenen Schlafsack mit einer Rettungsdecke etwas aufzupeppen, was Anfangs für Erheiterung sorgt („it’s nice, you look like a fish“), auch gut funktioniert, sich allerdings im Laufe der Nacht als unzumutbar laut herausstellt. Naja, ich versuche das ganze begrenzen so gut es geht zumal eine der Lucys ganz offensichtlich überlegt auf welche Weise sie mich jetzt umbringen könnte aber schließlich überstehen wir die Nacht doch ohne schwerwiegendere Auseinandersetzungen.

Die kommenden 4 Tage sind echt toll. Schneestapfen, ab und zu mal sogar eine Spur der wir folgen können, ein paar Stangen markieren den Weg aber sehen tun wir nie jemanden – bis auf einen älteren Mann einmal, der sich von uns aber offensichtlich bedroht fühlt – er packt seine Sachen und zieht von dannen als wir die Hütte überfallen. Naja, verständlich, tut mir irgendwie leid… Gekocht wir am offenen Feuer oder manchmal sogar am Gasherd (die offenen Hütten sind

echt genial), am wichtigsten ist Tee (auf tschechisch in etwa „tschai“ geschrieben cai mit Häkchen am c und umgekehrten Hütchen auf dem i oder so… – das a durfte glaub ich am Leben
bleiben…), Suppe und natürlich grillimakkara – Würstchen. Ahja, und UNO. Einziger Haken: GoreTex ist auch nach außen wasserdicht wenn man mal anfängt mit den Schuhen Schnee zu schöpfen 😉
Es wird jeden Tag ein wenig kälter scheint uns und der Rückweg nach Saariselka wird dann wirklich bissig weil noch ein recht grausiger Wind durch das flache Tal zieht. Immerhin finden wir eine recht nett (und günstige) Pizzabude und die Bushaltestelle. Nach 5 Tagen kehren wir zurück… – ein paar Stunden Schlaf in einem richtigen Bett (naja, wirklicher Luxus ist meine hiesige Studentenversion auch nicht, aber weich und warm), vorher eine Dusche (ein Traum!) und am Abend reichen die Kräfte dann eh schon wieder aus um einen gebührenden Abschluss zu feiern… – aber das ist eine andere Geschichte 😉

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