Finnland-Radtour Tag 6: Oulu-Kemi

Das Frühstück hielt, was die Unterkunft versprochen hatte und in Anbetracht der bevorstehenden Etappe gönnten wir uns einiges vom Buffet bis dann die Zeit zum Aufbruch drängte. In Gedanken noch beim Essen traten wir motiviert in die Pedale – und verfuhren uns prompt. Nicht so schlimm, der Hafen von Oulu ist ja auch ganz nett. Schlimmer war da schon dass wir wenige Minuten später ein Schild passierten, dass wir die Luftgitarren-WM grade mal um 2 Tage verpasst hatten. Aber man kann nicht alles haben.

Die idyllische Radlerei am Meer entlang hatte dann allerdings dann doch so ihre Haken. Variante eins: nette Straßen, Schotterwege, verschlängelt idyllisch – mit dem Haken dass man halt keine Meter macht. Variante 2 war die E4 – hier waren die Haken so um die 20 Tonnen schwer und mit 80-100 km/h unterwegs. In Anbetracht der bevorstehenden Strecke war dann aber doch größtenteils Kilometer und Staub fressen auf der E4 angesagt. Etwa auf halber Strecke hielten wir Rast – der Campingplatz war zugegebenermaßen etwas abgelegen, aber einmal mehr brachte eine nette ältere finnische Dame unsere Lebensgeister mit finnischem Kaffee und diversen zuckerhaltigen Beilagen wieder zum Lächeln.

Wie dem auch sei, weitere 70km warteten auf uns… – die Landschaft war nach wie vor recht nett, aber so wirklicher Genuss wollte heute nicht aufkommen. Etwa 30km vor Kemi verlassen wir die E4 wieder – ich habe die Schnauze voll von Lastwagenabgasen – sowohl metaphorisch als auch im wahrsten Sinn des Wortes. Bei einer Rast freundet sich Petra noch mit einem Schaf an… – und mit seiner ganzen Großfamilie, die plötzlich aus dem kleinen Wald gestürmt kommt. Als sie feststellen dass wir zwar interessant riechen aber weder Salz noch Heu für sie haben verlieren sie ihr Interesse recht bald wieder und versuchen unauffällig zu wirken.

Na schön, es half ja nix, die letzten km nach Kemi kriegen wir wieder schöne Radwege, immerhin. Trotzdem reicht’s langsam („etz mag i denn langsam numma“), Daniela spricht auch Petra und mir aus der Seele. Kemi ist dafür ganz nett, wir suchen die Jugendherberge, finden gleich mal eine Karte am Rathaus auf dem sie eingezeichnet ist und das war’s dann auch schon. Es gibt sie nicht mehr. Mit den Dingern haben wir einfach kein Glück wie es scheint. Das Hotel scheint auch OK zu sein auf den ersten Blick. Essen wäre aber ohnehin Priorität Nummer eins, eine kurze Dusche ist noch drin und dann auf zur Futtersuche… – wir haben die Wahl zwischen geschlossen, macht erst in einer Stunde auf oder – ein Chinese – schließe in 5 Minuten. Na bestens. Irgendwann finden wir dann doch noch einen Italiener der uns rettet – empfehlenswertes Lokal mit netter Atmosphäre in der Nähe des Kinos oder im gleichen Haus sogar glaube ich.

Leider scheint mein Hinterrad nun endgültig den Strapazen zu erliegen, aber schau’n wir mal – aufpumpen und vielleicht ist morgen alles besser. Ersatzschläuche haben wir eh und morgen einen lockeren Tag. Was man vom heutigen nicht behaupten kann – wir gehen recht früh ins Bett und lernen die Schattenseite unserer Unterkunft kennen: die Fußgängerampel vor dem Hotel ist von ausgesprochenen Pflichtbewusstsein durchdrungen und teilt dies 24h am Tag durch das Piepen in einer Frequenz auf die wir seit jener Nacht mit eher negativen Gefühlen konditioniert sind… – aber die 135 km zollen ihren Tribut und so lässt es sich sogar unter diesen Umständen einigermaßen schlafen.

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